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"Straße der deutschen Sprache"

So wie es in Deutschland mehr als 150 Ferienstraßen gibt – von der 1937 gegründeten Deutschen Alpenstraße bis zur 1.738 Kilometer langen Ferienroute Alpen – Ostsee, ferner zahlreiche romantische Straßen, Märchenstraßen, Weinstraßen oder gar, wie in Niedersachsen, Milch- oder Spargelstraßen -, so möchte Thomas Paulwitz, Chefredakteur der Deutschen Sprachwelt, auch eine „Straße der deutschen Sprache“ ins Leben rufen. Sie soll dazu dienen, „Neugier auf und Begeisterung für die deutsche Sprache zu wecken, um dazu beizutragen, dass die deutsche Sprache weiter blüht und gedeiht“. Das sagte Thomas Paulwitz beim letzten Sprachtreff der Aktion Deutsche Sprache im November 2009 in Hannover. Städte, die für die deutsche Sprache und Kultur prägend sind oder waren, sollen mit einander verbunden werden und den „Wanderern“ auf dieser Straße neben den Sehenswürdigkeiten auch die Schöpfer, Wahrer und Förderer der deutschen Sprache in den vergangenen Epochen in den jeweiligen Orten näher gebracht werden.
Thomas Paulwitz schwebt vor, eine „Straße der deutschen Sprache“ zunächst, aus sprachgeschichtlich guten Gründen, auf Mitteldeutschland zu beschränken, wo die Wurzeln unseres heutigen Hochdeutschs liegen. Es geht um Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen.
Beginnen könnte die Reise im Südosten Thüringens in Schleiz, der Stadt des Vaters der deutschen Rechtschreibung, Konrad Duden, der hier von 1869 bis 1876 Direktor des Schleizer Gymnasiums war und dem die Stadt ein Duden-Museum gewidmet hat. Es geht weiter nach Weimar, wo 1617 die Fruchtbringende Gesellschaft gegründet wurde und wo mit der „Weimarer Klassik“ von 1786 bis 1805 die deutsche Sprache eine Blütezeit erlebte und die mit den Namen Goethe, Schiller, Herder, Wieland und anderen verbunden ist. Über die Theaterstadt Meiningen, die durch tiefgreifende Theaterreformen bekannt ist, geht es nach Eisenach, in die Luther-Stadt, wo Martin Luther von 1521 bis 1522 die Bibel vom Lateinischen in volkstümliche deutsche Worte übersetzte und damit für die breite Masse verständlich machte. Damit stellte Luther die deutsche Sprache gleichberechtigt neben die als heilig erachteten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein.. Der Weg führt weiter über Mühlhausen und Bad Frankenhausen mit dem Kyffhäuser Denkmal, wo der Bart des schlafenden Barbarossa schon durch den Tisch gewachsen ist, nach Sachsen-Anhalt.
Die erste Station ist Eisleben, die Geburts- und Sterbestadt Luthers. Dann geht es nach Köthen/Anhalt, das mit Hilfe der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft als „Stadt der deutschen Sprache“ aufgebaut wird und der Höhepunkt der „Straße der deutschen Sprache“ sein soll. In Köthen hatte die ursprüngliche Fruchtbringende Gesellschaft von 1617 ihren Sitz. Nicht weit entfernt liegt das 500-Seelen-Dorf Reppichau, Geburtsort Eike von Repgows, des Verfassers des „Sachsenspiegels“. Danach geht es über Dessau-Roßlau nach Wittenberg, zu einer weiteren wichtigen Wirkungsstätte Martin Luthers, wo er seine Thesen an die Tür der Schloßkirche schlug, und über Bitterfeld-Wolfen in die Goethestadt Bad Lauchstädt, wo seit 2007 in jedem Herbst das „Festspiel der deutschen Sprache“ aufgeführt wird. Zum Schluss der Reise über die „Straße der deutschen Sprache“ kommt der Wanderer nach Sachsen, zuerst in die bedeutende Buch- und Verlagsstadt Leipzig und über Meißen nach Bautzen in der Oberlausitz. Hier ist der Sprachrettungsklub zu Hause. Durch das dortige politische und kulturelle Zentrum der Sorben gehört Bautzen zu einer besonderen Wegmarke auf der „Straße der deutschen Sprache“. Über Oelsnitz/Erzgebirge ist es nicht mehr weit nach Schleiz, wo die Rundreise begann.
„Dieses Vorhaben steht noch ganz am Anfang“, sagte Thomas Paulwitz abschließend, es sei bisher nichts mehr als eine Idee, und die genannten Stationen seien nur Vorschläge. Aber er und seine hannoverschen Zuhörer waren sich einig, dass diese Idee unbedingt zur Realität werden soll und muss, damit die „Straße der deutschen Sprache“ tausendfach dazu beitragen kann, dass die deutsche Sprache blüht und gedeiht. Rolf Zick



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