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"Kein Tag ohne mi(l)ch"


„Das Original gibt’s bei Märklin“ – Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg: „Es gibt noch gute deutsche Werbesprüche“ - Wettbewerb der Aktion Deutsche Sprache und Rossmanns „Centaur“

Zwei Jahre nach dem großen Erfolg ihres Fotowettbewerbs für ideenreiche deutsche Firmennamen hat die Aktion Deutsche Sprache e.V. (ADS) in Hannover erneut mit dem Rossmann-Kundenmagazin „Centaur“ einen bundesweiten Wettbewerb veranstaltet. Jetzt ging es um „Die besten deutschsprachigen Werbesprüche“. In den vier Kategorien Industriewerbung, Handelswerbung, Werbung im Handwerk und Werbung für Dienstleistungen haben über 150 Teilnehmer aus ganz Deutschland mit über 400 Vorschlägen bewiesen, dass in unserem Land auch in deutscher Sprache mit ideenreichen, treffsicheren, humorvollen oder witzigen Sprüchen einprägsam und werbewirksam geworben werden kann.

Die eingereichten Vorschläge bestanden zumeist aus digitalen oder analogen Fotos, Anzeigen, Zeitungsausschnitten oder Visiten- und Postkarten. Die Preise – es ging um Sachpreise und Buchpreise von der Digitalkamera bis zum Anglizismenindex - wurden anlässlich des „Tages der deutschen Sprache“, der am12. September 2009 in Deutschland begangen wurde, am 17. September 2009 in Hannover übergeben. Der Vorsitzende der Aktion Deutsche Sprache e.V., Dr. Hermann Neemann, konnte in Hannover viele Preisträger und Gäste begrüßen, dazu die Vorsitzende des Preisgerichts und Laudatorin Frau Professor Dr. Uta Seewald-Heeg, Lehrstuhl für Computerlinguistik und Sprachdatenverarbeitung an der Fachhochschule Anhalt in Köthen sowie erste Vorsitzende der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt e.V.
Für die Firma Dirk Rossmann GmbH, die die Preisverleihung organisierte, hob Kommunikationschef Stephan-Thomas Klose die jahrelange gute Zusammenarbeit mit der Aktion Deutsche Sprache in Hannover hervor, deren Vorsitzender Dr. Hermann Neemann jede Ausgabe des Kundenmagazins „Centaur“ akribisch auf Anglizismen überprüft. Dafür hat die Zeitschrift, als bisher einzige, ein Zertifikat bekommen: „Im redaktionellen Teil von der Aktion Deutsche Sprache ADS, Hannover, auf Vermeidung von Anglizismen geprüft“ kann sie im Impressum verkünden. „Unsere Kunden begrüßen diesen Weg“, sagte Stephan-Thomas Klose, „denn die Firmensprache bei Rossmann ist Deutsch, auch im internationalen Geschäftsverkehr. Und deshalb ist Deutsch auch die Sprache unserer Leserinnen und Leser bei Rossmann..“
In ihrer Laudatio auf die Preisträger des Wettbewerbs sagte Frau Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg:
„Das Ergebnis des Wettbewerbs bietet eine klare Antwort auf die Frage, ob es überhaupt noch gute deutsche Werbesprüche gibt. – Es gibt sie! Würde in der Werbung immer so kreativ von der deutschen Sprache Gebrauch gemacht, wie sich dies in manchen Zusendungen zeigte, würden Kunden sicher nicht so häufig ihre Stirn in Falten legen beim Anblick von Werbeplakaten. Die Initiative „Sprachlicher Verbraucherschutz“ beispielsweise, einer Initiative mehrerer Bundestagsabgeordneter der CDU/CSU, wäre erst gar nicht notwendig geworden. Bei einem schöpferischen Umgang mit der deutschen Sprache würden die Adressaten, die umworben werden, die Botschaft verstehen, vielleicht sogar dann und wann schmunzeln und sich das Produkt auf diesem Wege einprägen.“ Leider greife die Werbebranche in hohem Maße auf das Englische zurück, um den umworbenen Produkten den Anschein von Modernität oder Internationalität zu geben. Doch die Mehrheit der deutschen Konsumenten versteht englische Werbebotschaften nur unzureichend oder überhaupt nicht.
Wie die Einsendungen zum Wettbewerb zeigten, erscheine der Werbespruch meist zusammen mit einem Bild, sagte Prof. Seewald-Heeg weiter. Bilder würden schneller wahrgenommen, so dass vielfach gelte: „Am Anfang ist das Bild, am Ende bleibt das Wort.“ Nachdem die Laudatorin alle preisgekrönten Arbeiten vorgestellt, erläutert und kommentiert hatte, sagte sie: „Die von der Jury prämierten Einsendungen belegen: Gerade mit unserer Muttersprache, in unserem Fall mit der deutschen Sprache, kann man ideenreich, witzig einprägsam und damit treffsicher und werbewirksam (Werbesprüche) formulieren. Wir müssen uns den kreativen Umgang mit unserer Sprache nur bewahren, damit wir und vor allem unsere Kinder auch morgen noch in der Lage sind, mit den Worten unserer Sprache und ihren Nuancen, ihren inhaltlichen Schattierungen, zu spielen und ihre Anspielungen zu verstehen. Bei englischen Werbebotschaften ist das im deutschsprachigen Raum kaum oder gar nicht gegeben. Doch wenn auf die deutsche Sprache in der Werbung und in anderen Bereichen verzichtet wird, besteht die Gefahr, dass uns diese Fähigkeit auch in unserer eigenen Muttersprache abhanden kommt.“
Wettbewerbe wie diese sollten den Unternehmen und Werbefachleuten immer wieder zeigen, zu welch sprachlich und inhaltlich gelungenen Werbesprüchen die deutsche Sprache Potential bietet. Ein Spiel mit der Sprache, das Wissen um ihre Nuancen voraussetzt, sei auf dem deutschen Markt nur mit der deutschen Sprache möglich. Hier liege auch für die Werbung ein bislang nicht gehobener Schatz, betonte die Laudatorin abschließend.
Das Preisgericht, in dem unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Uta Seewald-Heeg je ein Vertreter der Aktion Deutsche Sprache e.V., Hannover, des Sprachrettungsklubs Bautzen, der Neuen Fruchtbrin-genden Gesellschaft zu Köthen/Anhalt, des Kundenmagazins „Centauer“ der Dirk Rossmann GmbH, Burgwedel, und der Deutschen Sprachwelt zusammen saßen, hat nachfolgende Preise vergeben:
In der Kategorie Industriewerbung erhielt den ersten Preis Manuela Müller aus Twistringen (Landkreis Diepholz) für die originelle Werbung des Spielzeugherstellers Märklin auf einer Lokomotive der Bundesbahn: „Das Original gibt’s bei Märklin“. Den zweiten Preis bekam Nicole Kerschbaum aus Mauer (bei Heidelberg) für die Werbung von Jacobs-Kaffee „Unterwegs genießen“ mit dem Hinweis, dass man mit dem Becher in der Hand nicht unbedingt immer wegrennen muss („coffee to go“).
In der Kategorie Handelswerbung ging der erste Preis an Armin Kühne aus Leipzig für sein Foto einer Rewe-Werbung an den Einkaufswagen: „Ihr Wagen, sparsam im Verbrauch“.
In der Kategorie Handwerkswerbung erhielt Wolfgang Hildebrandt aus Lehnstedt den ersten Preis für den Werbespruch einer Milchbauernkooperative Niedersachsen „Kein Tag ohne mi(l)ch!“
In der Kategorie Dienstleistungswerbung vergab das Preisgericht den ersten Preis an Ilona Kloth aus Berlin für die plakative Werbung eines Berliner Hotels „Schwiegermutter kommt?“
Einen Sonderpreis erhielt Gisa Pankonin aus Berlin für eine Goethe-Sentenz, die von der Wartburg als Losung genutzt wird, zugleich aber auch ihr Lebensmotto ist: „Um zu begreifen, dass der Himmel blau ist, braucht man nicht erst um die Welt zu reisen.“ Rolf Zick


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