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Sprache und Verbraucherschutz

Englisch und Anglizismen grenzen die Hälfte der deutschen Bevölkerung aus:
Verständliche Sprache als Voraussetzung für effektiven Verbraucherschutz
Das Leitbild des mündigen Verbrauchers – Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann beim Sprachtreff der Aktion Deutsche Sprache
Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist des Englischen nicht mächtig. Die zunehmende Verwendung von Englisch, besonders aber von Anglizismen und vom Mischmasch mit der deutschen Sprache bringt für sie große Verständigungs- und Verständnisprobleme im Alltagsgeschehen. Sie werden verunsichert und, noch schlimmer, zunehmend ausgegrenzt. Darauf hat die CDU-Bundestagsabgeordnete Gitta Connemann hingewiesen. Die Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultus in Deutschland“ und Mitbegründerin der Initiative sprachlicher Verbraucherschutz, zu deren Initiatoren noch die CDU-Bundestagsabgeordneten Julia Klöckner (Verbraucherschutzbeauftragte), Peter Bleser (Agrar- und verbraucherschutzpolitischer Sprecher), Laurenz Meyer (wirtschaftspolitischer Sprecher) und Erika Steinbach (menschenrechtspolitische Sprecherin) gehören, stellte beim Sprachtreff der Aktion Deutsche Sprache jetzt in Hannover das Leitbild des mündigen, selbständigen Verbrauchers vor. Sie betonte, für eine moderne Verbraucherpolitik und einen effektiven Verbraucherschutz sei eine verständliche Sprache die Voraussetzung. „Es muss im Alltag wieder selbstverständlich werden, dass man sich als Verbraucher in Deutschland mit der Beherrschung ausschließlich der deutschen Sprache zurechtfindet“, sagte die Politikerin.
In Flughäfen und Bahnhöfen sei Deutsch inzwischen zur Randsprache verkommen. Ähnlich gehe es bei der Deutschen Bahn AG zu. Täglich würden Millionen von Menschen, die nur der deutschen Sprache mächtig sind, ausgegrenzt. Das betreffe insbesondere Menschen mit geringerer Bildungsqualifikation, ferner ältere Menschen, die früher nie Englisch gelernt haben, ebenso Bürger der ehemaligen DDR oder Menschen mit „Migrationshintergrund“. Hilflosigkeit, Unkenntnis und Angst vor Bloßstellungen seien die Folgen für die Betroffenen, sagte Gitta Connemann. Und dann erzählte sie, wie sie als Mitglied des Kreistages in Leer in Ostfriesland kürzlich erlebte, dass der Landrat von der Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung mit dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium als „Letter of Intent“ sprach. Die Mehrheit des Kreistages wusste nicht wovon er redete. „Ein Vorwurf ist diesen Kollegen nicht zu machen, denn Amtssprache in Deutschland ist nach wie vor Deutsch – und deswegen sollten wir es auch pflegen“, betonte die Politikerin.
Vor diesem Hintergrund habe die CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom Deutschen Bundestag gefordert, die Rahmenbedingungen des Alltags für diejenigen, die kein Englisch können, so zu gestalten, dass sie nicht von Informationen ausgegrenzt werden. Hier habe die Bundesregierung Vorbildcharakter. Gesetzestexte, Verlautbarungen, Werbekampagnen der Regierungen, Veröffentlichungen aller Art sowie auch weitergehende Kommunikation mit den Bürgern sollen in verständlicher und deutscher Sprache abgefasst sein. Die Bundesregierung solle als Anteilseigner, Genehmigungsbehörde oder Investor Einfluss nehmen, eine durchgehende Verwendung der deutschen Sprache etwa in Beschilderungen, Leitsystemen und dergleichen zu gewährleisten, beispielsweise in öffentlichen Gebäuden, Flughäfen, Bahnhöfen. Schließlich geht der Appell der Enquete-Kommission an die Spitzenverbände der deutschen Wirtschaft, dass Gebrauchs- und Betriebsanleitungen, Bedienelemente sowie die Garantievoraussetzungen eines Produkts zumindest auch in deutscher, verständlicher Sprache zu finden sind. Gerade die jetzige Finanzkrise zeige aktuell, welche verheerenden Folgen die Verwendung von Begriffen, die niemand versteht, haben kann. „Die korrekte Benennung, Bezeichnung und damit auch das Verständnis dessen, über das wir reden, ist unentbehrlich. Und vor diesem Hintergrund werden die Empfehlungen der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ noch mehr an Bedeutung gewinnen. Ein entsprechender Antrag wird hoffentlich noch vor Ende der Legislaturperiode eingebracht werden können und von allen Abgeordneten des Deutschen Bundestages unterstützt werden“, sagte die Bundestagsabgeordnete abschließend. Rolf Zick


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