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Beerdigung oder Fußball?

Beerdigung oder Fußball?
Dem Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung, Paul Josef Raue, verdanken wir eine ebenso interessante wie aktuelle Sprach-Glosse, die sicher nicht nur manchem Fußball-Freund zur Europa-Meisterschaft, sondern auch manchem Anglizismen-Freund die Sprache verschlagen wird:
„Nicht jeder, der ein englisches Wort nutzt, ist ein Meister der englischen Sprache. Mancher schafft es nicht einmal zum Lehrling. Wer während der Fußball-Europameisterschaft draußen auf einer großen Leinwand die Spiele anschauen will, geht zum „Public Viewing“.
Unser Leser Holger Thomsen aus Kissenbrück erzählt vom Besuche eines amerikanischen Schwagers, der nur den Kopf schüttelte, als er vom „Public Viewing“ hörte. Der in Baseball vernarrte Schwager aus Amerika fragte ganz ernst: „Was hat denn euer komischer Fußball mit einer Beerdigung zu tun?“
In der Tat denkt in Amerika keiner an eine Leinwand auf dem Marktplatz, wenn er von „Public Viewing“ spricht. Amerikaner denken an berühmte Leute, die nach ihrem Tod öffentlich, etwa in einer Kirche, aufgebahrt werden oder an die Großmutter, der Freunde in der guten Stube die letzte Ehre erweisen.
„Public Viewing“ ist also in der englischen Sprache die Leichenschau! Und da wir nicht hoffen, dass die Europameisterschaft zum deutschen Trauerspiel wird, sollten wir das „Public Viewing“ beerdigen und stattdessen die „Schau-Arena“ öffnen, wie es die Aktion „Lebendiges Deutsch“ vorschlägt.“
Und dem sich die Aktion Deutsche Sprache von Herzen anschließt.


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