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Deutsch im Grundgesetz

Evangelischer Pressedienst vom 22.2.2013

Bundestagspräsident Lammert zeigt sich bei Diskussion über Deutsch im Grundgesetz offen
Berlin (epd). Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) steht einer
Festschreibung von Deutsch im Grundgesetz offen gegenüber. Bei einem Festvortrag
am Internationalen Tag der Muttersprache verwies Lammert am Donnerstagabend
darauf, dass Deutschland zu einer kleinen Minderheit von Ländern in Europa gehöre,
die ihre Landessprache nicht in der Verfassung festgeschrieben hätten. Unter den
deutschsprachigen Ländern sei Deutschland sogar das einzige Land ohne Festlegung
der Landessprache in der Verfassung, fügte Lammert bei der Veranstaltung in der
Landesvertretung Sachsen-Anhalts hinzu.
Der Vorschlag einer Verankerung von Deutsch als Landessprache im Grundgesetz wird
derzeit auch über eine Massenpetition an den Bundestag herangetragen. Lammert
machte zugleich deutlich, dass es sich dabei um einen "eher symbolischen Akt"
handeln würde, der Fehlentwicklungen im Umgang mit der Muttersprache nicht
konterkarieren könne.
Bei der Veranstaltung «Unsere Muttersprache - unerschöpflich. Der deutschen
Sprache mit Martin Luther auf der Spur» würdigte der Bundestagspräsident den
Beitrag des Reformators zur Sprachentwicklung. Martin Luthers (1483-1546)
diesbezügliche Leistungen gehörten zweifelsohne zu den "glücklichsten und
nachhaltigsten Beiträgen" der vergangenen Jahrhunderte. Unter allen Wendepunkten
bezüglich der Bedeutung und des Ansehens der deutschen Sprache in der Welt sei
Luthers Reformation ohne Zweifel der "kraftvollste Wendepunkt" gewesen.

Luther habe bei seiner Bibelübersetzung ins Deutsche allerdings ganz sicherlich
nicht die Absicht gehabt, einen besonders nachhaltigen Beitrag zur deutschen
Sprache zu leisten. "Das ist ihm unterlaufen, das hat sich ergeben", sagte
Lammert. Es habe zur damaligen Zeit bereits ein gutes Dutzend Übersetzungen der
Bibel ins Deutsche gegeben. Allerdings habe Luther eine neue Methode eingeführt,
in dem er "nicht Wort für Wort, sondern Sinn für Sinn" übersetzt habe. Luther habe
"einen großartigen Einfall" gehabt und habe diesen formulieren können, sagte
Lammert in seinem Festvortrag. Damit habe der Reformator den Text der Bibel
tatsächlich zugänglich gemacht.
Lammert zeigte sich insgesamt unentschlossen bei der Frage, ob sich die deutsche
Sprache in einem kontinuierlichen und unaufhaltsamen Niedergang befinde oder aber
den besten Stand in der Geschichte erreicht habe. Für beides gebe es Indizien,
sagte der Bundestagspräsident. Kritisch äußerte er sich allerdings über einzelne
Entwicklungen, etwa die rasant abnehmende Bedeutung von Deutsch als
Wissenschaftssprache.

So sei die Zahl der weltweit Deutsch Lernenden in den zurückliegenden fünf Jahren
von 17 auf 14,5 Millionen Menschen gesunken. Dies sei für einen derart
überschaubaren Zeitraum "eine ganze Menge". "Ernüchternd übersichtlich" nannte
Lammert zudem den Fakt, dass sich von diesen Deutsch Lernenden gerade einmal 1,45
Millionen an Hochschulen befänden. Der Verzicht auf die Nutzung der eigenen
Sprache sei gerade auch im wissenschaftlichen Kontext mit einem Verlust von
Präzision verbunden.
Eingeladen zu der Feier hatten die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt
und die «Neue Fruchtbringende Gesellschaft zu Köthen/Anhalt - Vereinigung zur
Pflege der deutschen Sprache».
 

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